Ewald Mataré

Thomas von Aquin , im Krieg 1945 zerstört!
1933, Beton, Mosaik, für die Thomas-Kirche in Berlin-Charlottenburg gearbeitet.

Aus dem Tagebuch Matarés.... 6.Mai 1933. nach langem Hin und Her wurde die Figur des Hl. Thomas am Karfreitag an der Kirchenwand (der Thomas-Kirche in Berlin-Charlottenburg D.E.) enthüllt, aber schon am nächsten Tag nach Protesten aus dem Publikum, und einer Erklärung des Pfarrers von der Kanzel, daß er diese Arbeit ablehne, wieder verhüllt. Heute kommt der Bescheid vom bischöflichen Ordinariat, sie sei wieder zu entfernen.

2. August 1934
Die Figur des Hl. Thomas von Aquin ist inzwischen an der Wittlaer Kirche bei Kaiserswerth am Turm angebracht worden. Nachdem sie nach ihrer Abnahme von der Fassade in Charlottenburg an der dortigen St. Thomas-Kirche einfach auf dem Hof offen lagerte, gelang es mir, sie durch das bischöfliche Ordinariat frei zu meiner Verfügung zu bekommen, und da ich mir für sie einen guten Platz wünschte,entschloß ich mich, sie dem mir bekanntenPastor Vaaßen in Wittlaer zum Geschenk zu machen....

Pfarrer Franz Vaahsen schreibt 1934 in der Chronik:
Zu Beginn des Jahres erhielt die Kirche ein herrliches Geschenk. Professor Ewald Mataré, ehemaliger Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie, schenkte die Figur darstellend den h. Thomas von Aquin .
Am 30. Januar wurde sie an der Westseite des Turmes aufgestellt. Zwischen Figur und Wand wurde folgende Urkunde in einer Flasche versiegelt eingemauert.
In simplicitate veritas
Diese Figur habe ich im Jahre 1932 gemacht. 4 Monate habe ich daran gearbeitet. Meine gute Frau hat fleißig mitgeholfen bei der Anordnung der Mosaiksteine. Ursprünglich bestimmt für die 1932 von Architekt P. Linder erbaute St. Thomas-Kirche in Charlottenburg, sollte sie über dem Portal dort (gestrichen: angebracht) ihren Platz haben. Januar 1933 wurde sie dort angebracht. Auf Betreiben des Pfarrers Schnüra nach einigen Tagen wieder abgenommen und auf den Hof gelegt. Es entspann sich nun ein Kampf der Verfügungsrechte. Endlich wurde mir die Arbeit zugesprochen. Nun konnte ich allein einen neuen Platz für meine Arbeit wählen. In Pfarrrer Vaahsen in Wittlaer fand ich einen k. Pfarrrer, der die Figur erneut in die Obhut der Kirche nahm. Sie wurde am 30. Januar 1934 an der Westseite des Turmes über dem Eingang angebracht in Anwesenheit des Pfarrers Vaahsen (gestrichen: und) sowie des Bildners. Möge die Figur noch recht lange an ihrem neuen Platz sein zur Ehre Gottes und des Heiligen Thomas von Aquino.
Der Pfarrer
Franz Vaahsen       Monogramm FV
Der Bildner
Ewald Mataré         Signatur von Mataré

Diese Thomasfigur hat nun mittlerweile eine Geschichte bereits. Im September 1934 wurde die Erzbischöfliche Behörde auf die Figur aufmerksam gemacht. Der Konservator fragte nach dem Datum der Genehmigung. Diese konnte nicht gegeben werden. Darauf verlangte er die nachträgliche Genehmigung, welche nach Besichtigung ohne jegliche Begründung abgelehnt wurde. Jetzt entspann sich ein regelrechter Schriftwechsel, welcher in den Akten eingesehen werden kann. Das Ende war, nicht die Entfernung der Figur von jeglichem kirchlichen Eigentum, sondern das Unsichtbarmachen derselben.Dies ist nun am 30. Oktober 1935 morgens 11 Uhr geschehen. Der Maurermeister Wilh. Weilers von Wittlaer mit seinem Gehülfen Thiel haben die Nische 1.40 m zugemauert. Ein altes Fenster aus der Kirche wurde mit einem eisernen Rahmen vom Schmied Peter Langen aus Bockum bezw. dessen Gesellen Heinrich Zensen verfertigt. So steht nun die gewaltige Figur verborgen im Turm und harrt der Auferstehung. Wann? Ich hoffe es noch zu erleben. Vaahsen Pfr.(S. 316)

Dechant Stypertz schreibt 1945
Auch dieses Jahr wurde begonnen mit großen Hoffnungen, besonders auf einen baldigen Frieden. Doch bevor er uns geschenkt wurde, steigerte sich der Krieg noch bis zu letzter Höhe. So lag auch Wittlaer in vorderster Linie 7 Wochen lang unter Artilleriebeschuß. Viel Opfer mußten gebracht werden an Hab u. Gut, ja an kostbarem Menschenleben. Auch unsere Kirche wurde schwer beschädigt, weniger der Innenraum, als der Turm, der zu 2/3 zerstört wurde. Mit ihm auch die Thomas-Figur. (S. 335)

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